BU Wanderung durch das Elwetritsche-Paradies anno September 2018

 

 

 

Teilnehmende Paradiesvögel: 18 an der Zahl, darunter hauptamtliche Ehrenspielführer einschließlich Bankdrücker sowie zwei Neulingen.

 

 

 

Die Reiseleitung hatte auf Grund des unübersichtlichen Kaders schon vor dem Anpfiff den Überblick verloren und wusste nicht wohin mit allen. Aber das kennt man ja. Aus disziplinarischen Gründen wurde daher dem Verantwortlichen auch noch das Protokoll auferlegt. Das gab es noch nie.

 

 

 

Der Einspruch an die Kontrollgremien ist angeblich nicht angekommen. Skandalös wie so vieles im abgelaufenen Jahr! Das wird noch eine Verlängerung geben.

 

 

 

So, und nun zum Eigentlichen. Wie jedes Jahr, so zog es auch diesmal die BU-Herrschaften am ersten familienfreien Abend des Jahres zum Rapport weit weg von der Heimat ins Ungewisse. Pfälzer Höhenweg klang unaufgeregt und unspektakulär. Es sollte sich aber herausstellen, dass es für den einen oder anderen Wanderburschen eine weitaus höhere Herausforderung war als nen Elfer in die Luft zu ballern. Kaum zu glauben.

 

 

 

Zumindest ein Geselle hatte nicht von Anfang an die Hosen voll, sondern dachte im Land des Deutschen Weines direkt an selbigen und empfing die Reiseleitung nebst Assistance dann auch umgehend mit einer Auto-Weinprobe. Die Vorhut hatte unter diesen Umständen ihre absolute Berechtigung und war von großem Nutzen. Der Kofferraum war voll mit hochprozentigen Leckereien aus der Gegend. So konnte es durchaus weitergehen. Mit Blick in die endlose Prärie des Pfälzer Hügellandes strömte der Optimismus zeitgleich mit dem Alkohol desaströs in die kleine Menschenmenge ein. „Vielleicht kommen doch alle ungeschoren nach Hause“, ging den Anwesenden im Überschwang der köstlichen Tröpfchen durch den Kopf.

 

 

 

So nach und nach kamen Sie denn alle in den Ort der alten Keschde: Dannenfels. Ein älterer Haudegen unter uns wartete besonders nervös und aufgeregt bis alle Mitstreiter endlich angekommen waren, so dass er sein Geburtstags-Grillbuffet endlich eröffnen konnte. So einen Pfälzer Festschmaus hatte das BU-Urgestein noch nie gesehen. Er war den Tränen nah. Da musste er erst sooo alt (??) werden. Selbst Schuld der Düsseldorfer kann man da nur sagen.

 

 

 

Und nun kam es wie es so kommen musste: Die Herren konnten nicht anders und tranken sich Mut an. Manche benötigten sehr viel Mut und man wunderte sich dann schon irgendwann wie mutlos man so sein kann. Wegen so einem (Donners-)Berg? Doch Worschd und Schoppe und Schoppe und Worschd machten unglaubliche Dinge mit den Stadtmenschen. Veganer blühten auf und sogar der medizinische Dienst kam aus dem Staunen nicht heraus und forderte Hochprozentiges am laufenden Band. Das sah für die kommenden Tage vielversprechend aus und die Angst vor der Wildnis wurde mit einem kleinen Elwetritschen-Kräuter abschliessend weggespühlt. Für eine erlesene Runde gab es des Nachts auch noch die zweite Weinprobe in einer hitzigen Pfälzer Nacht. Selig schlief man ein.

 

 

 

Der Aufbruch am nächsten Morgen sollte direkt nach Sonnenaufgang vonstatten gehen und beim Durchzählen waren in der Früh sogar alle da. Das gab es auch nicht immer. Mit leichtem Enthusiasmus und morgendlichen Geplapper schlenderte der Trupp hinab ins Tal, um anschliessend hoffentlich blasenfrei zum höchsten Dorf der Pfalz zu gelangen: Ruppertsecken.

 

Wie gewohnt hatte sich das Feld innerhalb kürzester Zeit lang und länger gemacht. Da der Aufgalopp ohne einheitliche Trikots stattfand kam dies eher einem Buntspechtmeeting gleich. Aus Sicht der Reiseleitung -  am Ende des Feldes – ein putziger Anblick, bis irgendwann alle im Wald verschwanden. Tschüss und weg. Und die Zeit verging und verging und es wurde immer einsamer bis endlich das erste Durchgangsziel zu sehen war: Der höchste Fußballplatz der Pfalz in Ruppertsecken. Allerdings menschenleer! Es fehlten 17 der 18 Teilnehmer! Will sagen: Nur die Reiseleitung hatte es geschafft. Gleich 17 Verluste an einem halben Tag: Wie sollte man dies den Müttern und sonstigen Anverwandten erklären? Das würde schwer werden...

 

 

 

Trotz eitlen Sonnenscheins legte sich ein Nebel aus Entsetzen, Kopfweh und Allotria über das Pfälzer Dorf. Die Elwetritschen kreischten um die Wette. Nach endlosen Momenten wurde das Gejammer und Geheule erhört und die technische Assistance sendete Notsignal um Notsignal. Die Stadtcowboys konnten unter unmenschlichen Anstrengungen kurz vor dem Abgrund gerettet werden. Dem Herr sei Dank! Man rätselte wie die Nacht davor so etwas auslösen konnte. Man fand keine Antwort. Alle waren plötzlich stocknüchtern, aber das war dauerhaft keine Lösung. Doch woher ein Tröpfchen bekommen um wieder Kraft zu tanken? Der ganze Ort wie ausgestorben und der Weg der vor uns lag war der Sage nach nicht mit Reben und Hopfen gepflastert.

 

 

 

Es kam die große Stunde des Niederrheins. In den stockdüsteren Tiefen des Ortes zauberte einer der Neulinge Unglaubliches hervor. Quasi aus dem berühmten „Nichts“ stand eine Wunderkiste mit Hopfenbräu mitten im Ort und all diejenigen, die bereits auf dem Weg in die Geburtsstätte der Reiseleitung waren, wurden zurückgepfiffen. Es entstand eine Aufregung vergleichbar mit dem Videobeweis in der Halbzeitpause damals in Mainz oder wo auch immer das war. Vor uns stand nicht nur die Rettung des Tages, sondern auch ein wohlgelaunter Ruppertsecken-Hubert. Der konnte als örtlicher Schwarzbrenner endlich mal aus dem vollen schöpfen, laberte die BU beim anschliessenden Trinkgelage schwindelig  und verkaufte nahezu seinen kompletten Garageninhalt. Schwer beladen, aber wieder äußerst entspannt und frei von Angst zog die BU weiter durch die Prärie.

 

 

 

Vorbei am Ehrendenkmal der Reiseleitung mit FCK-Fahne in Würzweiler erreicht man nach mehreren kleinen und größeren Teamsitzungen das Ziel des Tages: Das Schwalbennest in Marienthal. Die Wirtin erwartete die Mannschaft mit ortsüblichem Frohsinn und einem Hoffnungsschimmer für die Nacht: Der Zugang zur Scheune und damit zur notwendigen Flüssigkeitsaufnahme wurde direkt sichergestellt und die Schlüssel wurden offiziell übergeben. Als Pfand mussten lediglich zwei BU´ler bei der Wirtin im Wohnzimmer auf der Couch schlafen. Das Risiko war überschaubar und alle willigten dankbar ein.

 

 

 

Nach einer kurzen Pfälzer Vesper zog es die Runde grüppchenweise zur Marienthaler Grillhütte zum Abendmahl. Auf dem Weg dahin kreuzte man unweigerlich eine Art Tatort-Bratwurst- bzw. Bierbude, wo alle Dorfbewohner unter 90 Jahren fröhlich klatschten und lull und lall viel Frohsinn verbreiteten. Während Häuptling Silberrücken schwächelnd mit der Reiseleitung an besagtem Stand vorbeirauschte - um die katastrophale Lage des kölschen Kulturguts an Ort und Stelle zu erörtern - zog es eine größere Anzahl BU´ler in Richtung Dorfgemeinschaft. Insbesondere die Frischlinge der Gruppe taten sich hervor und konnten nicht verbergen wie schön es war endlich mal mit Fachleuten tiefgründig über den FCK, den FC  und Ähnliches zu sinnieren, um gleichzeitig als Teil des Dorfes abgefüllt zu werden. Wie sich herausstellen sollte wurden Freundschaften für´s Leben geschlossen und die Einladungen zur nächsten Ortskerwe gingen umgehend raus. So wog die BU die ganze Nacht hin und her zwischen Scheunen- und Bierstandglück. Es hätte in der Tat schlimmer kommen können.

 

Am nächsten Morgen war der Niederrhein auch schon per „Du“ mit der Wirtin, die ganz nebenbei auch noch ein Buschtaxiunternehmen hatte. Das erfuhr man jetzt erst so ganz nebenbei. Häuptling Silberrücken schlug sofort zu und gab nach langer Zeit Rauchzeichen der inneren Gelassenheit.  Der klägliche Rest rieb sich den Kopfschmerz in der Sonne und wartete verzweifelnd auf das Katerfrühstück. Und was für eins... Ohne Schoppe, aber mit Worschd, Worschd und Lewwerworschd. Das lockte auch den letzten Schlaftrunkenen hervor und man muss sagen: So ein Scheunenfrühstück könnte man öfters vertragen. Da noch vor der Mittagszeit ein Weizenbieraufenthalt auf dem Programm stand blieb es ausnahmsweise ohne die üblichen Klarspühler hinterher. Brav zahlte man den Scheunenball und machte sich ohne den Vorsitzenden des Ältestenrats auf den Weg zur Burgruine Falkenstein.

 

 

 

Dieser historische Ort mit Blick in die Weiten des ehemaligen Keltenreiches hatte die Pforten schon früh geöffnet. Der Hopfen floss in strömen und wer nicht genug Worschd bekommen hatte konnte hier direkt nachlegen. Das taten dann auch einige Leckermäuler und bei soviel kulturellem Nahrungsgenuss verlor man die Zeit. Und die Reiseleitung den Überblick. Dachte Sie doch, die BU ist immer noch auf dem Zenit Ihres Schaffens und wird vor dem Gipfelanstieg noch einen kleinen Abstecher hinunter in die Schlucht der Kelten gut vertragen können.

 

 

 

Das tat die BU aber nicht.

 

 

 

Selbst der Meister konnte nicht mehr alleine gehen und musste sich der Assistance bedienen. Voller Leichtsinn irrte diese kleine Gruppe wilder Burschen mit dem Meister umher und umher bis er schließlich aufgab. Immer nur im Kreis laufen war dann doch zu viel des guten. Der Hilferuf kam zu spät. Der Niederrhein zeigte sich solidarisch und konnte ebenfalls nicht mehr. Jetzt wurde es langsam ernst. Die BU schrumpfte besorgniserregend zusammen. Wieder musste ein Buschtaxi ran. Unser schlauer Fuchs vom Ältestenrat hatte sich derweil die Lizenz unter den Nagel gerissen und flog umgehend über den Donnersberg zur Mannschaft. Wenigstens etwas.

 

 

 

Der Weg zum Gipfel war für die Rumpftruppe beschwerlich und die verbliebenen Unbeirrten mussten an bis über Ihre Grenze gehen. Sonst liegt Selbige bei Kölnern nebst Immis ja beim Schieben eines Fäßchens auf dem Wagen über die Ringe. Jedenfalls irgendwo da. Das hier war anders.

 

 

 

Die ehemals so bestaunten Fußballer besannen sich in der Not des Teamgeistes von einst und stützten sich unter den Augen des sportlichen und medizinischen Dienstes Schritt für Schritt nach oben. Trotz Sonnenscheins gab es nur noch Schatten in den Gesichtern. Selbst die immer gutgelaunte Torwartriege machte keinen guten Eindruck. Es zog sich und zog sich und so manch einer schrie nach Luft und schickte der Reiseleitung verzweifelte SOS-Nachrichten. Es war in der Tat eine harte Bewährungsprobe für alle. Über Stock und Stein oder was man auch immer dafür hielt grabbelte man sich höher und höher, bis endlich auf dem Gipfel der immer größer werdende Kreis von Buschtaxiunternehmern zu sehen war. Fröhlich schunkelnd beim Sonntagsbraten.

 

 

 

Jetzt waren es schon drei und man blieb dabei.

 

 

 

Der Rest ist Geschichte und wird es bleiben.